PERLEN AUS STEIN

Ausstellung im Lechner Museum, Ingolstadt, 2006
6 Steine, Nagelfluh, 3-10 t. 1999-2006

Jeder Stein ist ein Fragment, gebrochen aus einem kosmischen Planeten. Die Zeit formt es über Jahrtausende zurück in seine runde, planetarische Ursprungsform. Einen Kieselstein in seiner rundlichen, glatten Formvielfalt nehmen wir gerne in die Hand. Seine haptische Form berührt unsere Sinne. Die Bildhauerin Susanne Tunn gibt dem Stein sein Geheimnis zurück. Sie verwandelt den fragmentarischen Zustand tonnenschwerer Steinbrocken andeutungsweise in seine kosmische Urform zurück.

„Es sind schwer zu definierende, rudimentäre Formen. Sie beziehen sich auf den vorgegebenen, gewachsenen Ausgangszustand des Rohblocks …. Es geht um die Schönheit der Ordnung und den Zauber des Zufalls. Chaos und bewusste Setzung sind wichtig“ (Susanne Tunn)

Es sind nicht zu Ende gemeißelte, ohne Schablone, mit möglichst wenig Materialverlust hergestellte Kugelformen. Es sind Perlen. Dass sie dabei auf ein Konglomerat, auf den Nagelfluh greift, lässt vermuten, dass ihr der Kieselstein als ein wesentlicher Formbestandteil des Nagelfluhs am Herzen liegt. Dieses zurückhaltende, sich schrittweise herantasten an die Materie Stein halte ich für einen intelligenten, künstlerischen Akt in der Bildhauerei. Susanne Tunn geht einen neuen Weg. Sie deutet feinsinnig auf die Herkunft der Materie hin.

Alf Lechner
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